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Die Geschichte der Kantorei

Die Kantorei der Christuskirche wurde 1949 von Professor Alexander Wagner gegründet und von diesem bis zur Amtsübergabe an Burkhard Geweke im Jahr 1994 geleitet.

Als Kantorei einer reformierten Kirchengemeinde fühlt sie sich der „reformierten“ Kirchenmusik, insbesondere dem Genfer Psalter, in besonderer Weise verpflichtet. Ausgehend von Motetten des 16. und 17. Jahrhunderts, denen von Anfang an Werke des 20. Jahrhunderts gegenübergestellt wurden, hat sich der Chor nach und nach ein umfangreiches Repertoire erarbeitet, das sich ausschließlich über die textliche und musikalische Qualität der Kompositionen und nicht über bekannte Namen der Musikgeschichte definiert. So werden neben Heinrich Schütz, J. S. Bach, Johannes Brahms und Hugo Distler auch Werke unbekannterer Komponisten wie u. a. Joachim v. Burck, Leonhard Lechner, Rogier Michael, Johannes Driessler und Hans Humpert aufgeführt . Neben dem A-cappella-Repertoire bzw. Werken mit wenigen Begleitinstrumenten hat sich die Kantorei seit 1974 verstärkt auch oratorischen Aufgaben gewidmet.

Burkhard Geweke hat die Leitung des Chores 1994 übernommen und sich die Kriterien der Werkauswahl abseits ausgetretener Pfade zu eigen gemacht, dabei jedoch stilistisch eigene Akzente gesetzt. So führte er mit der Kantorei neben Mozarts Requiem (ergänzt durch die Kantate „Et la vie l'emporta“ von Frank Martin) auch dessen c-Moll-Messe und Rossinis „Petite Messe Solennelle“ auf und erweiterte das A-cappella-Repertoire im 19. Jahrhundert um Komponisten wie Peter Cornelius, Moritz Hauptmann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Schreck etc. Ferner pflegt er in besonderem Maße die Literatur für Chor und Orgel, aus der sicherlich die Aufführung der Messe cis-Moll von Louis Vierne, der „Laudes organi“ von Zoltán Kodály, die Uraufführung der Motette „Das neue Jerusalem“ des Detmolder Komponisten Hinrich Luchterhandt sowie die deutsche Erstaufführung der „Laudes organi“ des Schweizer Komponisten und Organisten Lionel Rogg herausragen.

Weite Beachtung fand die Kantorei nicht nur durch zahlreiche Konzertreisen im In- und Ausland (u.a. Ungarn und die Schweiz), sondern auch durch zahlreiche Aufnahmen für Tonträger sowie die Zusammenarbeit mit Rundfunk- und Fernsehanstalten; so wurden z.B. vom Westdeutschen Rundfunk im Herbst 2003 vier Sendungen der Reihe „Lieder im Advent“ für das 1. Fernsehprogramm (ARD) produziert.

Zu Pfingsten 2006 übernahm die Kantorei der Christuskirche die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes im Mozart-Jubiläumsjahr, den die ARD aus der Christuskirche Detmold übertrug, und fand dabei national und international ein überaus positives Echo.

2009 produzierte die Kantorei der Christuskirche eine weitere CD mit Motetten, Liedsätzen und Choralbearbeitungen zum Genfer Psalter. Unter dem Titel „Mein ganzes Herz erhebet dich“ finden sich Kompositionen aus fünf Jahrhunderten. Sowohl a cappella, im historischen Klanggewand mit Gamben, Zinken und Laute als auch in Begleitung moderner Blechblasinstrumente und Orgel ist eine bislang einmalige Vielfalt von Kompositionen zu den bedeutenden Melodien der Reformationszeit zu hören.

In den letzten Jahren prägten inhaltlich dicht konzipierte Veranstaltungsreihen die Arbeit der Kantorei. „Passion 2014“ war eine Folge von Gottesdiensten, Vorträgen und Konzerten, die in sechs Wochen eine Aufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach vorbereitete. Der musikalische Bogen reichte von der Renaissance bis zur Uraufführung; neben klassischen Konzertformaten gab es ein Jazz-Konzert und ein szenisches Orgelkonzert für Kinder. Immer gab es Verbindungen zu Bachs Matthäuspassion, über die im Rahmen der Passionsandachten auf der Orgel auch improvisiert wurde.

Das Oratorium „In terra pax“ von Frank Martin gab 2015 einer Reihe den Namen, die an das Ende des zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren erinnerte. In einem Oratorienkonzert führte die Kantorei als Kooperationsprojekt mit dem Chor der Hochschule für Kirchenmusik Herford neben diesem Werk Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und Paul Hindemith auf. In einem weiteren Konzert erklangen Chorwerke a cappella und Orgelmusik, u.a. „Komm, Jesu, komm“ von Johann Sebastian Bach, „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“ von Johannes Brahms und „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger.

Neben der Erarbeitung weiterer Werke der Vergangenheit und Gegenwart und deren Aufführung, die überregional höchste Anerkennung und Wertschätzung genießt, versteht sich die Kantorei der Christuskirche auch als Gemeindechor, der regelmäßig Gottesdienste der Detmolder Paulus-, Erlöser- und Christuskirche mit gestaltet.
Darüber hinaus zeichnet die Kantorei unter der Leitung von Kantor Burkhard Geweke verantwortlich für die Gestaltung und Organisation der Veranstaltungsreihe sämtlicher Konzerte in der Christuskirche.